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Von wegen amateurhafter TV-Sender: die Junge Bühne Bern spielt bittersüsse Satire.© Junge Bühne Bern
Junge Bühne Bern

Diskriminierung auf Sendung

«HRS 3» heisst das Filmprojekt der Jungen Bühne Bern, das den Zuschauerinnen und Zuschauern einen amateurhaften Fernsehsender vorgaukelt, aber ihnen eigentlich das Thema der öffentlichen Diskriminierung um die Ohren haut.

«Was halten Sie von Ausländern?» oder «Frauen werden wegen ihrer Kleidung angefasst. Wahr oder falsch?»
– Diese Fragen werden auf dem Fernsehsender «HRS 3» in einer Quizshow mit Livemusik den Kandidatinnen und Kandidaten gestellt. Bei «HRS 3» wird auf politische Korrektheit keinen Wert gelegt. In einer Sendung, die an «Germanys’ Next Topmodel» angelehnt ist, gewinnt nicht etwa die schönste Kandidatin, sondern jene, die das rechteste Gedankengut vertritt. In der Dating-Show «Red Rose» wird für eine Kandidatin nach einem Partner gesucht – das grosse Finale bleibt aufgrund von Geldproblemen des Senders aus. Und in einer Late-Night-Show wird ein schwules Paar mit Fragen zum Thema Homosexualität gelöchert, sie kommen aber neben der Moderation kaum zu Wort.

Streit und Schokolade

Was klingt wie ein hauseigener Sender der rechtsextremen Schweizer Partei PNOS, ist der neue Film «HRS 3» (Kamera: Fabian Steiner) des Jugend­theaterclubs Junge Bühne Bern, der einen unprofessionellen und diskriminierenden Fernsehsender darstellt. Vieles geht hier schief, Sendungen enden im Streit, bis die Leiterin (Dorothee Kästli) eingreifen muss. Damit den Shows genügend Teilnehmende beiwohnen, werden platte Platzhalter eingesetzt. Auch der Werbeblock bei «HRS 3» ist nicht ohne: Ein Mädchen, in weiss gehüllt, liegt auf einem weissen Boden, isst weisse Schokolade. Im Hintergrund ein Lobgesang auf jene Süssspeise, da sie ja weiss ist. Zum Schluss schmiert sie sie sich genüsslich ins Gesicht, weil: weiss.

Unverblümt und fratzenhaft

Das junge Ensemble U14, bestehend aus Dorothee Kästli, Anuk Treu, Colin Schütz, Lasher Bakiray, Lisa Hubacher, Lou Jenzer, Luis Ness, Lynn Meier, Marie-Lou Wetter und Nina Giourgas erschuf mit «HRS 3» unter der Leitung von Christoph Hebing und Marcel Leemann einen satirischen Streifen rund ums Thema Diskriminierung, das einem oft ganz unverblümt um die Ohren geschmettert wird, dann wieder unter einem fratzenhaften Deckmantel hervorlugt.

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