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Tenor Raffaele ist der Don Carlos dieser Saison. © ZVG
Stadttheater Bern

Der Tenor, der Ruhe bewahrt

Raffaele Abete übernimmt für Bühnen Bern die Titelrolle in der Oper «Don Carlos» von Giuseppe Verdi. Anders als den liebeskranken Titelhelden bringt den Neapoletaner wenig aus der Ruhe: Lampenfieber kennt der Tenor etwa nicht.

Veranstaltungsdaten

SO 05.12.2021 16.00
SO 19.12.2021 16.00
DO 23.12.2021 18.00
DI 04.01.2022 18.00
SO 09.01.2022 16.00
SO 23.01.2022 16.00
SA 29.01.2022 18.00
Treffen mit dem Tenor Raffaele Abete kurz vor der Probe im Restaurant Vierte Wand: Der Sänger, 1984 in Napoli geboren und bis heute mit seiner Heimatstadt verbunden, wird für Bühnen Bern «Don Carlos» verkörpern. Deshalb ist er zurzeit in Bern, wo er unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Nicholas Carter und unter Regie von Marco Štorman als Prinz auf der Bühne steht. Abete schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur: «Er kennt die Oper sehr gut und legt den Fokus auf die Emotionen der Figuren.» 

Als «einen Psychotrip eines jungen Menschen auf der Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Autonomie», preisen Bühnen Bern ihre Inszenierung an. «Don Carlos empfindet Angst und Freude, Enthusiasmus und seelische Not», so der Sänger über das Wechselbad der Gefühle seiner Figur. Giuseppe Verdis «Don Carlos» spielt im 16. Jahrhundert und erzählt vom Grossreich Spanien, vom unterdrückten flämischen Volk und einer unglücklichen Liebe. Die Grand opéra in französischer Sprache hat fünf Akte.

Verliebt in die Stiefmutter in spe

Im ersten Akt reist Infant Don Carlos nach Frankreich, um dort seine für ihn bestimmte Braut Elisabeth de Valois (Masabane Cecilia Rangwanasha) zu treffen. Beide gestehen sich rasch ihre Liebe, um kurz darauf zu erfahren, dass Philippe II. (Vazgen Gazaryan), der Vater von Don Carlos, die Prinzessin heiraten soll. Um den Frieden zwischen Spanien und Frankreich zu sichern, willigt Elisabeth ein und bricht damit Don Carlos das Herz. «Er ist nun in seine Stiefmutter verliebt», fasst Abete die komplexe Situation pragmatisch zusammen. Der liebeskranke Prinz vertraut sich seinem aus Flandern zurückgekehrten Freund Rodrigue (Gustavo Castillo) an und verspricht diesem, seinem unterdrückten Land zu helfen. Die ungebrochene Leidenschaft für Elisabeth und der Kampf für die Flamen treiben den tragischen Helden an.

Repertoire, Reisen, Rüpel

Abete entdeckte sein Talent als Teenager im Kirchenchor. «Ich bin der einzige Musiker in meiner Familie», sagt er. Er hat am Conservatorio di Musica Domenico Cimarosa in Avellino studiert. Als Gewinner des renommierten Wettbewerbs «Una voce per l’Arena» gab er sein Debüt in der Arena von Verona als romantischer Held Ismaele in Verdis «Nabucco», seither verfolgt er eine internationale Karriere. 2016 konnte er in der New York City Opera als Cavaradossi in Puccinis «Tosca» auf der Bühne stehen. «Das viele Reisen gehört zu meinem Beruf», sagt Abete gelassen. Er sei mit einer Sopranistin verheiratet. Ein bisschen so wie in Opern, wo sich die Figuren der Tenöre in diejenigen der Sopranistinnen verlieben. «Was für ein Klischee», fügt er lachend hinzu, «wir reisen einander hinterher.»

«Mein Repertoire reicht von Bellini bis Puccini», sagt Abete selbstbewusst. Festlegen auf einen Typus oder auf ein Genre will er sich nicht. Er habe auch Rüpel mit viel Spass gespielt – etwa den Duca di Mantova in «Rigoletto» oder Pinkerton in Puccinis «Madama Butterfly». «Die Leute denken, diese Figuren seien einfach böse, aber oft ist es viel komplexer», sagt Abete.

Vorbilder, Pannen, Seelen

Den schwedischen Tenor Nicolai Gedda (1925–2017) nennt er als Vorbild. «Ich bewundere seine Vielseitigkeit und seine Technik.» Er sei einer der wenigen Sänger, die er privat höre. Lampenfieber kenne er nicht. «Man lernt, mit der Angst umzugehen. Wie beim Singen gibt es dafür verschiedene Techniken.» Peinliche Momente habe er allerdings schon erlebt. In «La Bohème» habe ein Kollege ihm einmal in einem fingierten Streit ein Stück hartes Brot angeworfen. «Es flog mir mitten ins Auge und ich bin für kurze Zeit zu Boden gegangen.» In einer Aufführung von «Madama Butterfly» wiederum wurde ein Kollege durch eine fälschlicherweise verschlossene Türe von der Bühne ausgesperrt. Abete improvisierte kurzerhand: «Ich habe mit ihm dann eben durch die Türe gesprochen», lacht er.

«Grosse Seelen dulden still», heisst es in Friedrich Schillers Gedicht «Don Karlos, Infant von Spanien», auf dem das Libretto zu Verdis Oper basiert. Abete scheint ein Mann zu sein, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Auch den harten Lockdown in Italien akzeptierte er stoisch. «Klar, wir wurden gestoppt, aber jetzt geht es wieder bergauf.» Anders als der von ihm verkörperten Figur Don Carlos geht Abete das Melodramatische ab. «Ich bin meistens guter Laune, liebe meinen Beruf als Sänger und auch das Unterrichten», sagt er.

In seinen Rollen versuche er sich den Wünschen der Regie anzupassen und die Psychologie der je­weiligen Figur zu verstehen. Man darf also gespannt sein, wie der entspannte 
Italiener den von widersprüchlichen Emotionen heimgesuchten Don Carlos darstellen wird.

Events zu diesem Artikel

Bühne

Don Carlos

Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln  Bühnen Bern - Stadttheater, Bern 05.12.2021, 16.00
Bühne

Don Carlos

Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln  Bühnen Bern - Stadttheater, Bern 19.12.2021, 16.00
Bühne

Don Carlos

Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln  Bühnen Bern - Stadttheater, Bern 23.12.2021, 18.00
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Don Carlos

Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln  Bühnen Bern - Stadttheater, Bern 04.01.2022, 18.00
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Don Carlos

Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln  Bühnen Bern - Stadttheater, Bern 09.01.2022, 16.00
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Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln  Bühnen Bern - Stadttheater, Bern 29.01.2022, 18.00

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