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Ohne Krone: Tenor Attilio Glaser als König Idemeo. © Florian Spring
Bühnen Bern, Stadttheater

Der Patriarch dankt ab

Bühnen Bern inszenieren die Oper «Idomeneo» von Wolfgang Amadeus Mozart. Der serbische Theaterregisseur Miloš Lolic´ gibt dabei sein Debüt im Opernfach.

Am Anfang steht ein leichtfertiges Versprechen mit fatalen Folgen. Der Kriegsheimkehrer Idomeneo beschwichtigt den Meeresgott Poseidon mit einem Opfer. Er will den ersten Menschen, den er in der Heimat antrifft, opfern. Es ist sein Sohn Idamante. Der antike Stoff inspirierte den gerade einmal 25-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart 1781 zu seiner Oper «Idomeneo». Das Drama basiert auf der Tragédie lyrique von Antoine Danchet und auf dem Libretto von Giambattista Varesco. Die Tragödie in italienischer Sprache wird zurzeit im Stadttheater aufgeführt. Der 1979 in Belgrad geborene Theaterregisseur Miloš Lolić gibt dabei sein Debüt im Opernfach. Er sagt dazu: «Es gibt Unterschiede bezüglich des Prozesses und der Proben, aber letztlich geht es auch bei der Oper um nichts anderes als um gutes Theatermachen.» Dazu müsse man die psychologischen Zustände der Figuren dem Publikum plausibel vermitteln. «Ich hatte Glück, in Bern mit unglaublich talentierten Sänger*innen zusammenarbeiten zu können.»

Frühes Meisterwerk

In der Titelrolle ist der Tenor Attilio Glaser zu sehen, als sein Sohn agiert die Mezzosopranistin Evgenia Asanova und als eifersüchtige Elettra steht die Sopranistin Masabane Cecilia Rangwanasha auf der Bühne. Sie ist unsterblich in Idamante verliebt und wahnsinnig vor Eifersucht auf ihre Rivalin Ilia (Giada Borrelli). Ihr Part als rachsüchtige Furie wird oft mit dem der Königin der Nacht in «Die Zauberflöte» verglichen, Mozarts berühmtester Oper, die er zehn Jahre nach «Idomeneo» schuf. Miloš Lolić sagt, dass er sich auch im Theater jeweils für weniger populäre oder in Vergessenheit geratene Stoffe interessiere. «Idomeneo ist nicht Mozarts bekannteste Oper, aber es ist ein frühes Meisterwerk», so der Regisseur. Der jugendliche Enthusiasmus des Komponisten sei spürbar. «Mozart verabschiedete sich von jenen Opern, die hinter ihm lagen und öffnete die Türen für jene, die noch kommen sollten.» Lolić hat sich stark auf den Zusammenbruch der Vaterfigur konzentriert, weil er das Thema des stürzenden Patriarchen aktuell und dringlich findet.

Tatsächlich fand Mozart eine menschliche Lösung des Konflikts. Idomeneo, der König von Kreta, dankt am Ende ab, verzichtet zugunsten seines Sohnes auf die Krone. Bühne (Wolfgang Menardi) und Kostüme (Jelena Miletić) bedienen sich aus drei Epochen: der Antike, aus der das Drama stammt, dem 18. Jahrhundert, also Mozarts Zeit, und der Gegenwart.

Arien und Chorszenen

Er habe sich eng am Libretto orientiert, weil die Geschichte nach wie vor aktuell sei, so Lolić. Bei «Idomeneo» spielen Orchester und Chor unter der Leitung von Nicholas Carter eine gewichtige Rolle. Als «magisch» bezeichnet Lolić Mozarts Komposition. «Man kann im jungen, verspielten Mozart bereits den starken Mozart, wie man ihn gemeinhin kennt, ausmachen.» Starke Arien, Chorszenen und ein «fantastisches Quartett», wie Lolić verspricht, dürften diesen Opernabend bestimmen.

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