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Dirigent Kreis holt Beers einst gefeiertes Frühwerk aus der Versenkung.© Priska Ketterer
Sternensaal, Bümpliz

Das Horn miaut, die Streicher sind beschwipst

Die Berner Sommeroperette bietet mit der Konzertfassung des Stücks «Polnische Hochzeit» ein Heiratswirrwarr, ein musikalisches Feuerwerk – und eine Wiederentdeckung. Es war Zufall, dass Michael Kreis auf die Operette «Polnische Hochzeit» stiess. Davor war sie dem musikalischen Leiter der Berner Sommer­operette unbekannt. Nach seiner Recherche über das Stück aus dem Jahr 1937 und den Komponisten Joseph Beer wusste er aber: «Dieses Stück will ich aufführen.» Es stecke viel in dem Stück über einen polnischen Freiheitskämpfer, der die Frau heiraten will, die bereits seinem Onkel versprochen wurde.

Mit Mazurka und Jazz

Einerseits war es die Musik, die den Dirigenten sofort in den Bann zog: «Joseph Beer hat als gerade mal 28-Jähriger sein Handwerk extrem gut verstanden. Die Instrumentierung ist von enormer Farbigkeit und hoch virtuos». So miaue das Horn im Stück «Katzenaugen» oder die Streicher würden im Trinklied der Operette das Beschwipstsein auf clevere Weise imitieren. Beer habe es nicht nur verstanden, eingängige Stücke zu schreiben, sondern habe eine Mischung aus Operette und Musical mit Mazurka, Walzer, Klezmer, Jazz und Volksmusik geschaffen. Aufgeführt wird das Stück deshalb als Konzertfassung, während Erzähler Martin Schurr die Handlung wiedergibt.

Aus der Vergessenheit zurück

Komponiert hatte Joseph Beer die «Polnische Hochzeit» als Auftrag für das Opernhaus Zürich. Dazu arbeitete er mit den bekannten Librettisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-
Beda zusammen. Das Stück war ein Riesenerfolg, trotzdem geriet es in Vergessenheit, was mit dem tragischen Schicksal seines Komponisten zu tun hat. So musste Beer, ein polnischer Jude, vor den Nationalsozialisten flüchten. Im französischen Untergrund komponierte er weiter. «Nach Kriegsende konnte er sich nicht mehr mit seinem Schaffen aus der Zeit vor dem Krieg identifizieren», sagt Kreis. Beer verbot die Aufführung der «Polnischen Hochzeit». Erst vor einigen Jahren gab seine Familie es zur Aufführung frei. Nun ist es erstmals seit 1939 in der Schweiz zu sehen.

 

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