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Das Team um Nicolette Kretz (ganz links) musste das Konzept auf den Kopf stellen.© Nathalie Jufer

«Corona hasst Aua»

Berns internationales Theaterfestival Auawirleben trotzt dem Virus, jedenfalls so weit es geht: Das Team um Leiterin Nicolette Kretz lässt das Festival unter dem Motto «Aua comes your way» stattfinden. Wie das geht? Per Post!

Nicolette Kretz, «Wir waren gerade in freudiger Schockstarre über die Flut von Abo-Anmeldungen», haben Sie mir in einer E-Mail geschrieben. Wie ist der aktuelle Stand?
In der ersten Stunde nach Versand unseres Newsletters hatten wir 50 Anmeldungen. Nach 24 Stunden waren es bereits 200. Das hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Nun müssen wir uns sogar überlegen, ob wir ab einer gewissen Anzahl gelöster Abos das Festival als ausverkauft deklarieren müssen.

Interessierte melden sich per E-Mail für ein Briefabonnement an und werden während der offiziellen Festivalzeit täglich mit einer Sendung überrascht. Woran liegt es, dass Ihre Idee so grossen Zuspruch findet?
Vielleicht ist es diese leichte Verpflichtung, die man eingeht. Die Menschen melden sich bei uns an und erhalten Aufforderungen oder verbindliche Zeiten, an denen etwas stattfindet. Beim Online-Streaming fehlt die fixe Zusage. Wer aber ins Theater geht, hat vorher ein Ticket gekauft und setzt sich gemeinsam mit anderen Menschen in einen Raum, schaltet das Handy aus und schweigt 90 Minuten lang. Man kann das als eine Abmachung verstehen, zusammen Zeit zu verbringen. Unser Briefabo ist ebenfalls eine Art Deal: Über eine gewisse Zeitspanne in Verbindung zu sein, auch wenn kein gemeinsamer Aufführungsort existiert.

In welcher Form werden die Produktionen nun realisiert?
Die Theatergruppen haben neue Formate entwickelt. Denn es war von Anfang an klar, dass wir die Stücke nicht einfach so ins Internet stellen. Der Genfer Regisseur und Schauspieler Simon Senn zum Beispiel hat für «Be Arielle F» eigens eine Version für die Videokonferenz-Software Zoom entwickelt. Inhaltlich geht es darum, dass er sich einen virtuellen Körper kauft und ihn so programmiert, dass er ihn animieren kann. Aber das ist jetzt einfach grad ein Beispiel, das online stattfindet. Es gibt auch viele Aktionen, für die man den Computer nicht einschalten muss.

Was bedeutet das Coronavirus für das Theater?
Die Essenz des Theaters ist, dass man sich zusammen in einem Raum trifft. Diese Grundlage hat uns das Virus entzogen. Bei uns geht das noch einen Schritt weiter: Corona hasst Aua. Denn wir versuchen immer, Momente zu schaffen, in denen sich Leute begegnen und interagieren. Und zwar möglichst nahe. Was ist das Aua, wenn diese Möglichkeit nicht mehr besteht? Das finden wir nun mit «Aua comes your way» heraus.

Fr., 8., bis 21.5.
Anmeldung: yourway@auawirleben.ch
www.auawirleben.ch

Das Briefabonnement ist ausverkauft

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