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Kilian Land gibt den Affen in Bern. © Sandra Then
Vidmar 2, Liebefeld

Armer Affe

Die Menschwerdung eines Affen als letzter Ausweg: «Ein Bericht für eine Akademie» von Franz Kafka ist das zweite Stück, das der neue Schauspieldirektor Roger Vontobel auf die Bühnen Bern bringt.

«Verzicht auf Eigensinn war das oberste Gebot, das ich mir auferlegt hatte: Ich, freier Affe, fügte mich diesem Joch.» Sein «Affentum» hat Rotpeter sich selbst ausgetrieben, indem er die «Durchschnittsbildung eines Europäers» erreicht hat. Das heisst: Handschlag, Rauchen, Trinken, Sprechen und eine Gespielin – eine dressierte Schimpansin. Diese vom Affen Rot­peter in «Ein Bericht für eine
Akademie» geschilderte Assimilation ans Menschsein gründet aber nicht auf einer freiwilligen, freiheitlichen Entscheidung: «An diesen Menschen [war] an sich nichts, was mich sehr ver­lockte.»

Keine «aufgepfropfte Aktualität»

Für Roger Vontobel, neuer Theaterdirektor der Bühnen Bern, ist auch 
die Unterwerfung zentrales Motiv: «Die geschilderte Zwangsassimilation spricht Bände über Verluste, die man erleidet, wenn man sich einer vermeintlich besseren Zivilisationsgesellschaft unterwirft.» Der Text habe ihn «sehr berührt». Ein Grund dafür, dass Vontobel mit Schauspieler Kilian Land am Düsseldorfer Schauspielhaus eine textgetreue Inszenierung des Monologs erarbeitet hat, die nun mit wenig Requisiten in Bern zu sehen ist: «Indem ich so nah am filigranen Stoff bleibe, habe ich die Hoffnung, damit aktueller zu sein, als wenn ich dem Stück noch unsere Aktualität künstlich aufpfropfen würde.»

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