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Performance «haunted No. 2» von Karoline Schreiber in der Stadtgalerie im Rahmen ihrer Ausstellung «Ich bin doch kein Automat!»© Peter Aerschmann
Progr, Bern und Umgebung

Zeichen für die Kultur von morgen

Das StadtKunstFest soll auf die Vielfalt des Berner Kulturschaffens aufmerksam machen und ist gleichzeitig als Demonstration gegen die vom Gemeinderat beschlossenen Streichungen im Kulturbereich und die Schliessung der Stadtgalerie zu verstehen.

Ein Kulturfranken, so sagt man, setzt fünf weitere Franken in Bewegung. Etwa für Tontechnikerinnen, Grafiker oder in der Gastronomie. Diesem Kulturfranken soll es nun laut Gemeinderat an den Kragen gehen: 220 000 Franken will er mit der Schliessung der von der Stadt selbst geführten Stadtgalerie einsparen. Bei der Kommission Kunst im öffentlichen Raum sollen Stellenprozente
gestrichen werden und auch das New­York-Stipendium, ein wichtiges Sprungbrett für Kunstschaffende aller Sparten, soll wegfallen. Viele weitere Einsparungen folgen bei den tripartiten und städtischen Verträgen.

Bunt und laut

Gegen diese Massnahmen formiert sich die Berner Kulturszene, unter anderem mit dem StadtKunstFest. Das Datum ist gezielt gewählt, am darauffolgenden Montag findet die Sitzung der Kommission für Soziales, Bildung und Kultur statt, an der die Weichen für die alles entscheidende Stadtratssitzung vom 2. September gestellt werden.

Das Fest bietet nebst Ausstellungen (u. a. in der Stadtgalerie; Ausstellungsplakate fiktiver zukünftiger Ausstellungen), Konzerten (u. a. von Mario Batkovic) Performances (u. a. «Stabile Runde» um den Meret-Oppenheim-Brunnen), einem Kinderprogramm (u. a. «Creaviva on the road») auch viel politischen Diskurs: «Was ist uns die Kulturstadt Bern wert?» – zu diesem Thema diskutieren Stadträtinnen und -räte im Progr-Hof. Laut Marlene Wenger, Programmleiterin des StadtKunstFest, soll der Anlass keine Eliteveranstaltung, sondern ein Fest für alle werden. «Ich verstehe es als eine Art Demonstration. Ohne Trotz und Aggression, sondern rein positiv. Ein Schaufenster zur Vielfalt des Berner Kulturschaffens.»

Freund und Sprachrohr

Die Idee zum aktivistischen Fest keimte aus der Protestbewegung Not the Arts, die sich gegen die Kürzungen und «für eine starke Kulturstadt» ausspricht. Auch der Verein Freundeskreis der Stadtgalerie ist Mitorganisator. Der von Peter Aeschmann und Beate Engel gegründete Verein versteht sich als «Sprachrohr für die Stadtgalerie», so Wenger, da Luca Beeler, Stadgalerie-Leiter und damit von der Stadt angestellt, selbst keine Stellung beziehen darf. Im Hintergrund finde Lobbyarbeit statt – Gespräche mit dem Gemeinderat sowie diverse Aktionen, beispielsweise in den Pausen der Stadtratssitzung.

Nebst vielen lauten Beiträgen finden sich auch leisere Kommentare im Programm: Im Showroom des Berner Kunstmuseum laufen Beiträge aus der hauseigenen Sammlung und jener von videokunst.ch aus den 70er-Jahren bis heute, um zu verdeutlichen, wie weitreichend jene Streichungen sind. Das Wegfallen der Stadtgalerie bedeutet nämlich nicht nur, dass eine Künstlerin dort nicht ausstellen kann, sondern es verhindert damit auch die Möglichkeit, dass die Kunst später in einem grösseren Haus gezeigt wird und jemals in einer wichtigen institutionellen Sammlung landet. Ganze Karrieren hängen davon ab.

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