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Der Krieger in uns: Die Sammlung Barbier-Mueller im Bernischen Historischen Museum.© Brad Flowers
Bernisches Historisches Museum

Reisende Krieger

Der «Mythos Samurai» lebt: Die Samurai-Schätze der Sammlung Barbier-Mueller kommen nach Bern. Das Bernische Historische Museum Bern erzählt anhand der 200 Helme, Rüstungen und Waffen die 700 Jahre dauernde Ära der japanischen Krieger nach – und spinnt sie weiter bis in die Popkultur der Gegenwart.

Veranstaltungsdaten

DO 26.05.2022 10.00
FR 27.05.2022 10.00
SA 28.05.2022 10.00
SO 29.05.2022 10.00
DI 31.05.2022 10.00
MI 01.06.2022 10.00
MI 01.06.2022 10.00
DO 02.06.2022 10.00
DO 02.06.2022 10.00
FR 03.06.2022 10.00
FR 03.06.2022 10.00
SA 04.06.2022 10.00
SA 04.06.2022 10.00
SO 05.06.2022 10.00
SO 05.06.2022 10.00
DI 07.06.2022 10.00
MI 08.06.2022 10.00
DO 09.06.2022 10.00
FR 10.06.2022 10.00
SA 11.06.2022 10.00
SO 12.06.2022 10.00
DI 14.06.2022 10.00
MI 15.06.2022 10.00

Kill Bill, Darth Vader, aber auch ein Cos-Player im Pokémonkostüm bevölkern den letzten Saal: Es ist bezeichnend, dass die Ausstellung «Mythos Samurai» in der Popkultur der Gegenwart endet. Der Mythos der japanischen Krieger lebt, die Geschichte geht weiter, ist noch lange nicht auserzählt. Rund 200 Objekte zeigt die Schau, verteilt auf 1200 Quadratmetern: Die Rüstungen, Helme und Waffen sind hochästhetische Zeugen der fast siebenhundert Jahre dauernden Ära der japanischen Kriegerkaste. Sie stammen aus der Sammlung Ann & Gabriel Barbier-Mueller sowie aus dem eigenen Japanbestand des Bernischen Historischen Museums. Die Sammlung des US-amerikanischen Paars Barbier-Mueller gilt als kunsthistorisch einmalig. Nach Paris und München machen die Objekte nun auch in Bern Halt. Kurator Alban von Stockhausen hat daraus aber eine ganz eigenständige Ausstellung entworfen: Im Zentrum steht keine kunstgeschichtliche Schau, sondern ein historisch-einordnender Blick, der bis ins Heute reicht. «Es ist das erste Mal, dass die Sammlung in eine kulturwissenschaftliche Erzählung eingebettet wird», sagt von Stockhausen. Von Haus aus Ethnologe, legt er sein Augenmerk auf die verschiedenen Kontexte, in denen die Samurai jeweils wieder neu interpretiert wurden – und legt dabei eine Lust am Entlarven von Klischees an den Tag. «Die Samurai wurden im Laufe der Geschichte immer wieder als furchtlose, gegen Schmerz und Furcht immune Helden gehandelt.» Doch gerade der Aufstieg der Kriegerkaste im 12. Jahrhundert war eng mit der buddhistischen Vorstellung der Nichtigkeit allen Seins verflochten. Der kaiserliche Hof befand sich in einer melancholisch-endzeitlichen Grundstimmung. Die Symbolik der Kirschblüte wurde Ausdruck davon: In der Blüte ihrer Schönheit fällt sie vom Baum – so wie ein Samurai in der Kraft seines Lebens stirbt. Die Einsicht in die Flüchtigkeit des Lebens trieb die Männer in der Rüstung an. «Dieser Schmerz und diese Tragik, dieses Moment des Verzichts und der Vergänglichkeit läuft seither immer mit», sagt von Stockhausen.

Selbstmythologisierung der Ritter der traurigen Gestalt

Die Ausstellung folgt der wechselhaften Geschichte der Samurai. Fast 700 Jahre dauerte die Herrschaft des Schwertadels. Shogune, eine Art Militärherrscher, lösten den Kaiser ab. Sie regierten mit ihren Truppen und Kriegern unterschiedlichster Ränge über Provinzen und Regionen. Auf blutige Fehden zwischen äusserst brutalen Warlords im 16. Jahrhundert folgte die stabile Edo-Zeit, bis im 18. Jahrhundert mit dem Aufstieg von Handelsleuten und florierenden Städten der langsame Abstieg der Samurai zu Rittern der traurigen Gestalt begann. Viele trieben sich in Vergnügungsvierteln herum, verschuldeten sich oder fanden ein Einkommen als Wächter oder Polizisten. Erstaunlicherweise entstand aber gerade in dieser Zeit des Zerfalls der berühmte Ehrenkodex der Samurai, der Bushido – «eine Art Selbstmythologisierung, um dem absehbaren Ende noch einmal etwas entgegenzusetzen», wie von Stockhausen vermutet. Mit der Ankunft der Amerikaner im 19. Jahrhundert setzte eine Ausrichtung nach Westen ein. 1868 wurde auch der Kaiser wieder installiert. Die Ära der Krieger war damit definitiv vorbei.

Die Faszination für die Krieger lebt weiter

Doch der Mythos Samurai überdauerte, nicht zuletzt durch die Faszination des Westens, der das zuvor abgeschottete Japan ganz neu entdeckte. «Die Europäer waren geradezu begeistert von der Exotik der respekteinflössenden Krieger. Sie spannen die Heroisierung weiter». So stammen viele Fotografien von Samurai aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von europäischen Reisenden. Auch die Geschichte dieser Rezeption ist Teil der Ausstellung. So zeigt sie die Kopie der ersten 3-D-Aufnahme eines Samurai. Gemacht hat sie ein Fotograf aus Fribourg. Auch die gut 7000 Objekte der hauseigenen Japansammlung des Bernischen Historischen Museums gehen grösstenteils auf diese frühe Japanmanie zurück. Es war unter anderem ein Zürcher Seidenhändler, der die Gegenstände im Auftrag des Museums nach Bern brachte. «Man spiegelte sich in dieser Andersheit, fand darin ein Gegenüber.» In Japan selber feierte der Mythos der Samurai seine tragische Wiedergeburt im 2. Weltkrieg: Die Maschinen der in den Tod getriebenen Kamikazeflieger trugen am Bug das Symbol der Kirschblüte. Auch hier wurde die Tradition wiedererweckt, oder, wenn man will, neu erfunden. In den 1950er-Jahren folgte Kurosawas Film «Die sieben Samurai» und noch 1970 beging der auch im Westen gefeierte Schriftsteller und politische Aktivist Yukio Mishima nach einem misslungenen Staatsputsch öffentlichkeitswirksam Selbstmord. Seppuku wird dieser rituelle Akt genannt, der aus der Ära der Samurai stammt.

Die Helden der Kirschblüte im kulturellen Imaginär

Der Mythos rund um die Samurai: Er dient Kurator Alban Stockhausen als Erzählfaden durch die Geschichte der Krieger. Und dies auf zweierlei Ebenen: Zum einen als identitätsstiftende Ursprungserzählung, die die Jahrhunderte überdauert, zum anderen als Faszinosum, das sich vom Herkunftskontext mehr und mehr löst. Interaktive Medienstationen und Audioguides lotsen das Publikum durch Zeit und Räume und bringen es in einen Dialog mit den Exponaten. Dadurch entstehen immer wieder Queverbindungen zwischen der historischen Ära des Schwertadels und dem kulturellen Imaginär heute. Daneben setzt die Ausstellung auf ein breites Begleitprogramm. Lokale Dojos bieten Kampfsportvorführungen, das Museum lädt aber auch zu Japanabenden mit Vorträgen und Gesprächen ein, in denen die Ausstellung bis spätabends geöffnet bleibt.
Heute ist der Samurai zu einer globalen Figur geworden: In Manga, Cosplay oder Computerspiel finden die Krieger ihre popkulturellen Avatare. «Ich will aufzeigen, wie sehr wir heute immer noch am Mythos Samurai weiterspinnen. Bis heute finden wir uns in ihnen.» Ihm sei es dabei wichtig, nicht zwischen echter und erfundener Tradition, Original und Fake zu unterscheiden, fügt von Stockhausen an. So beginnt die Ausstellung auch dort, wo sie endet: Bei den unterschiedlichen Vorstellungen, die das Publikum mit ins Museum bringt. In diesen leben sie, die Helden der vergänglichen Kirschblüte, die doch jedes Jahr wieder neu erblüht, weiter.

Events zu diesem Artikel

Ausstellungen

Ausstellung «Mythos Samurai»

Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 26.05.2022, 10.00
Ausstellungen

Ausstellung «Mythos Samurai»

Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 27.05.2022, 10.00
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Ausstellung «Mythos Samurai»

Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 28.05.2022, 10.00
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Ausstellung «Mythos Samurai»

Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 29.05.2022, 10.00
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Ausstellung «Mythos Samurai»

Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 31.05.2022, 10.00
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Ausstellung «Mythos Samurai»

Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 01.06.2022, 10.00
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Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 02.06.2022, 10.00
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Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 03.06.2022, 10.00
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Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 04.06.2022, 10.00
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Besuchende tauchen in die Geschichte und Kultur der japanischen Samurai ein. Die Ausstellung präsentiert spektakuläre Rüstungen, Helme und Masken aus der Sammlung «Ann and Gabriel Barbier Mueller».  Bernisches Historisches Museum, Bern 05.06.2022, 10.00
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