mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Eine während des Lockdowns entstandene, organische Skulptur von Sylvia Hostettler.© Sylvia Hostettler
Kunstraum Gepard14, Liebefeld

Organischer Ausnahmezustand

«Katastrophales Kulturfestival»: Installationen, Interventionen, Gespräche, Konzerte und Kunst bilden im Kunstraum Gepard14 «Pande°mix».
Bestimmt haben viele der 7,752 Milliarden vom Lockdown betroffenen Menschen die eine oder andere Beobachtung gemacht, die ihnen vorher nie so prägnant aufgefallen war. Sei es, dass sie intensiver träumten oder sich die Wahrnehmung und Bedeutung der eigenen vier Wände und bestimmter Objekte verschob. Die Stille veränderte die Geräusche, plötzlich wurde das Brummen des Kühlschranks ohrenbetäubend, das ausbleibende monotone Donnern der Autobahn konnte beinahe unheimlich wirken.

Thomas Jacobi, künstlerischer Leiter von Tönstör, stampfte innerhalb von drei Wochen das Kunstfestival «Pande°mix» im Gepard14 aus dem Boden. Darin wolle er mit Mitteln der Kunst mit den Kunstschaffenden sowie den Menschen aus dem Liebefeldquartier ins Gespräch über den Ausnahmezustand während Corona kommen, wie er sagt. Bespielt wird auch das Quartier, etwa mit den Plakaten, die im Rahmen der Tour de Lorraine während des Lockdowns entstanden sind. Auch das Festival selbst entstand aus Corona-­Not: Marco Giacomoni vom Gepard14 hat Jacobi dazu angefragt, weil sich eine Corona-bedingte Lücke in der Agenda aufgetan hat.

Präsent und fragil

Interventionen mit dem Schwerpunkt körperliche Präsenz und Fragilität in Zeiten von Corona, die Themen Krankheit, Sterblichkeit und Verletzlichkeit und Interaktionen mit dem Publikum sollen eine möglichst ungefilterte Auseinandersetzung mit dem Ausnahmezustand erwirken. Die frischen Eindrücke aus dem Lockdown werden in den Werken, Audio- und Videoinstallationen, Aktionen und Eventabenden mit Gesprächen aus einem neuen Blickwinkel erlebbar. So erschafft etwa Lucyenne Hälg aus kleinen, von den Besucherinnen und Besuchern frei bestickten Stoffstücken eine organisch wachsende Textilarbeit, Marco Giacomoni erstellt mit dem fotografischen Verfahren der Blaupause Bilder der für das Publikum prägnanten Lockdown-­Gegenstände, von Sylvia Hostettler ist eine Plastik zu sehen, die an etwas Virusartiges erinnern mag. Thi­bault Schiemann führt auf einen «Spontanen Audiowalk» durch das Quartier.

Klang und Objekt

In «LookMeUp/LockMeDown» will Jacobi Menschen zusammenbringen, die ihre Lockdown-Objekte mitbringen und miteinander in Kontakt treten. Auch Klanginterventionen und Konzerte, unter anderem von Beat
Unternährer, sind im Programm zu finden sowie Gesprächsrunden, etwa mit Maru Rieben, Véronique Zussau und Tobias Reber. Ausserdem berichten die Protagonistinnen und Protagonisten von Berner Kulturhäusern, wie sie den Lockdown erlebt haben.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden