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Aljosha Ségard: «Paul Klee war für mich ein ganz normaler Grossvater.© Monika Flückiger
Zentrum Paul Klee, Bern

«Meine Kunst hat sich ganz dem Poetischen verschrieben»

Alexander Klee, Enkel von Paul Klee, kreiert unter dem Pseudonym Aljoscha Ségard Kunst: Kohlezeichnungen, Assemblagen, Objekte. Zu seinem 80. Geburtstag ist eine Publikation erschienen und 2021 präsentiert das Zentrum Paul Klee sein Werk.
Alexander Klee, Sie treten unter dem Pseudonym Aljoscha Ségard als Künstler auf. Aljoscha bedeutet «Der Bewacher». Warum haben Sie sich für diesen Künstlernamen entschieden?
Es ist ganz simpel: Aljoscha ist ein Kosename für Alexander. Meine Mutter war Bulgarin. Man hat mich in meiner Familie immer schon so genannt.

Wie kam Ségard dazu?
Es kam irgendwann der Moment, in dem ich meine Werke signieren musste. Dies mit dem Namen Klee zu tun, war einfach unmöglich. Ich wollte ja meinen eigenen Weg gehen und nicht unmittelbar mit meinem berühmten Grossvater Paul Klee in Verbindung gebracht werden. Ich sass in Südfrankreich in einem Café und las die Zeitung «La Provence». Dort wurde der Gewinner eines Boule-Spieles namentlich genannt. Er hiess Ségard und ich fand, das klingt sehr rund.

Ihre Arbeit erinnert mich ein wenig an die Strategien der Dadaisten, die genau wie Sie auch Assemblagen schufen. Hat Sie diese Stilrichtung geprägt?
Nicht unbedingt. Der Begriff «Assemblage» ist nichts anderes als eine Bezeichnung für Collagen aus Objekten. Das gab es schon im Altertum. Die Dadaisten machten teils subversive Aussagen, meine Kunst jedoch hat sich ganz dem Poetischen verschrieben.

Was fasziniert Sie an «Objets trouvés», an Fundgegenständen, die zu Kunst erhoben werden?
Zuerst muss mich ein Objekt ästhetisch ansprechen. Dann kommt die Geschichte eines Gegenstandes ins Spiel. Wenn ich eine Scherbe finde, frage ich mich: Wer hat diese hergestellt? Wer hat sie vor uns in den Händen gehabt? Man schafft sich eine eigene Historie dazu.

Sie gehen in regelmässigen Abständen nach Japan und lassen sich von diesem Land inspirieren, etwa indem Sie Haikus in ihre Schriftbilder integrieren. Können Sie uns ein Beispiel eines solchen Gedichtes geben?
Buchstaben
Auf ein Blatt geworfen
Im schwindenden Licht
Ein letztes Gedicht.

Viele Ihrer Arbeiten sind Kohlezeichnungen. Was begeistert Sie an dieser Technik?
Kohle ist etwas Natürliches. Wenn man damit zeichnet, kann man den Strich nicht hundertprozentig kontrollieren, er franst aus. Aus diesem Grund faszinieren mich auch Höhlenmalereien, die mit Röthel entstanden sind. Ich mag Kohle, weil das Zeichnen damit etwas Emotionales ist.

Über Ihre Zeichnungen und Objekte ist nun eine umfangreiche Publikation erschienen und das Zentrum Paul Klee plant 2021 eine Ausstellung …
Die Ausstellung hätte eigentlich bereits im Juni dieses Jahres stattfinden sollen. Sie ist Coronabedingt verschoben worden. Die Publikation jedoch ist jetzt schon da. Eine etwas spezielle Konstellation.

Anlass für diese Würdigungen ist, dass Sie 80 Jahre alt geworden sind. Wie haben Sie in diesen besonderen Zeiten Ihren Geburtstag gefeiert?
Ohne viel Aufhebens. Geburtstage sind mir nicht so wichtig. Ich bin froh, noch da und klar im Kopf zu sein. Mal schauen wie es weitergeht.

Ihr Vater war der Theaterregisseur Felix Klee, Ihre Mutter war Sängerin. Wie hat Sie dieses Elternhaus geprägt?
Bei uns wurde stets über Kunst, Musik, Literatur gesprochen. Ich entwickelte so eine gewisse Sensibilität.

Ihr Grossvater Paul Klee starb im selben Jahr, in dem Sie geboren wurden. Wie hat man sich in Ihrer Familie an ihn erinnert?
Das war für mich ein ganz normaler Grossvater, der Bilder gemacht hat. Die Familie nannte ihn Buzzi, wenn sie von ihm sprach.

Sie fanden relativ spät zur Kunst und haben sich zuerst einen Namen als Pressefotograf gemacht. Ein Ausbruch aus der Kunstfamilie?
Das kann man so sehen. Ich habe die Matura abgebrochen, als ich die Zusage der Ecole des arts et métiers, Section de photographie in Vevey hatte. Ich habe schliesslich in Zürich als Pressefotograf gearbeitet. Der Name Klee war in diesem Bereich ein Türöffner. Ich konnte den Künstler Jean Arp in Locarno treffen oder eine Reportage über den deutschen Schriftsteller Alfred Andersch machen.

Fotografie als künstlerisches Medium hat sie nicht interessiert?
Mit der Fotografie konnte ich nicht ausdrücken, was ich wollte. Meine Kunst entsteht aus der Bewegung der Hand heraus, aus dem Unmittelbaren, das nur via Zeichnung möglich ist.

Man kennt Sie in Bern auch als Präsidenten der ehemaligen Paul-Klee-Stiftung. Sie haben den Anstoss für das 2005 eröffnete Zentrum Paul Klee gegeben. Wie lange schlummerte dieses Projekt in Ihrem Kopf?
Ich habe lange bevor das Zentrum gebaut wurde über ein Museum nachgedacht. Ich habe mit meinem Vater noch kurz vor seinem Tod 1990 darüber diskutiert. Es war mir klar, dass man die Bilder aus dem Nachlass meines Vaters mit den Werken der Paul-Klee-Stiftung zusammenführen muss. Ich fand die Idee, die Paul-Klee-Stiftung in ein Museum zu überführen, ideal. Mein Vater hatte mehr Mühe, sich von Werken zu trennen. Gemeinsam mit dem Stifter des Zentrums Paul Klee, Maurice E. Müller, fanden wir dieses Terrain im Schöngrün.

Wie gefällt Ihnen die Architektur von Renzo Piano?
Ich finde die Welle ideal. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.

Wieviel Klee soll das Zentrum zeigen? Gibt es zu viele Ausstellungen unabhängig von Klees Werk?
Ich finde es eine enorme Chance für dieses Haus, dass man Ausstellungen über Klee hinaus macht. Eine Sammlung braucht auch Ruhe. Man kann gar nicht immer alles zeigen.

Ist der Nachlass Ihres Vaters manchmal eine Last für Sie?
Jein. Ich würde eher von Verantwortung sprechen. Eine Zeit lang war ich unsicher, ob ich alles richtig mache und hatte aufgrund meines Amtes als Nachlassverwalter wenig Zeit für meine eigene Kunst.

Und der eigene Nachlass? Beschäftigt er Sie?
Quatsch. Ich arbeite einfach weiter. Ich bin ein alter junger Chlaus.

www.zpk.org

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