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Eine schwebende Figur aus dem 3D-Drucker: «Angela» (2019). © KURA / Foto: Andrea Lazzari
Kunsthaus Grenchen

Künstlich wie zerbrechlich

«Candids» heisst die Ausstellung des mehrfach prämierten Künstlers Yves Scherer, die im Kunsthaus Grenchen zu sehen ist. Der Solothurner teilt darin unter anderem einen künst­lichen und philosophischen Blick auf die Welt der Stars.

Eine kleine Figur schwebt über einem Bett. Ein Elektromagnet sorgt dafür, dass die rund 20 Zentimeter grosse, aus dem 3D-Drucker erschaffene Figur «Angela» wie von Geisterhand leicht zitternd hin- und herpendelt, von einem kleinen Gärtchen umgeben. Ihr gegenübergestellt ist die Figur eines Jungen, der die Hand nach etwas ausstreckt.

Geboren 1987 in Solothurn, erschafft der Künstler Yves Scherer immersive Umgebungen, in denen er die Grenze zwischen Privatem und Voyeuristischem, zwischen Realität und Fiktion auslotet. Im Kunsthaus Grenchen ist unter dem Titel «Candids», was soviel bedeutet wie «Schnappschüsse», eine Ausstellung Scherers zu sehen. Der in New York lebende, multimediale Künstler liess sich für die gezeigten Werke oftmals von Schnappschüssen der Paparazzi inspirieren. So basiert etwa das Holzrelief «Johnny & Kate» auf der berühmten Fotografie von Annie Leibovitz, die Kate Moss und Johnny Depp in einem privaten Moment abbildet.

Zu sehen sind des Weiteren figurative Plastiken, hergestellt mit dem 3D-Drucker oder gegossen aus Aluminium, wie etwa die lebensgrosse Figur des bekannten französischen Schauspielers Vincent Cassel, für die als Bildquelle ein Paparazzo-Foto dient, das ihn schlendernd in Badehosen zeigt. Die Konturen und Proportionen der Skulptur sind dank digitalem Rendering beinahe hyperrealistisch, was aber durch die übertrieben glänzende Oberfläche und das quietschend helle Rosa, in dem die Figur gehalten ist, gebrochen wird. Trotz ihrer Sterilität und Künstlichkeit wohnt ihr etwas Zerbrechliches inne, ein Gefühl, das einen auch beim Durchblättern der Klatschpresse beschleicht.

 

Ferne, spannende Welt

Seit er in New York lebe, habe sich sein Interesse verschoben, sagt Yves Scherer: «Meine letzte Ausstellung in den USA drehte sich um Schweizer Landschaftsmalerei», so der Künstler. In der Schweiz sei es verpönt, so exzentrisch aufzutreten: «Ich habe manchmal das Gefühl, dass unser Interesse an der Welt der Stars eher grösser ist, weil es für uns eine fremde Welt ist, die wir in der Schweiz nicht haben», so Scherer.

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