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Nina Zimmer, Direktorin des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee.© ZVG

«Ich habe von der Ruhe und Konzentration profitiert»

Nina Zimmer, Direktorin des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee, freut sich auf baldige Reisen mit Paul Klee und Annemarie Schwarzenbach – zumindest im Kopf.

Nina Zimmer, wie haben Sie die Wiedereröffnung am 11. Mai erlebt?
Es war ein schöner und bewegender Moment, als wir unsere beiden Häuser wieder öffnen konnten. Die Geschäftsleitung hat sich aufgeteilt. Ich war im Kunstmuseum präsent. Als wir unsere schönen Holztüren aus dem 19. Jahrhundert öffneten, standen bereits rund zwanzig Personen – natürlich mit dem nötigen Abstand – vor unserem Eingang. Es gab offensichtlich Menschen, die sich Datum und Uhrzeit der Wiedereröffnung im Kalender eingetragen hatten.

Welche Schutzmassnahmen setzen Sie um?
Wir halten uns an die Vorgaben des Bundesrates und des Bundesamtes für Gesundheit. Unser Kassenpersonal ist durch Plexiglasscheiben geschützt. Überall, wo man anstehen muss, gibt es Abstandsmarkierungen, wir verzichten auf Touchscreens und bitten die Besucherinnen und Besucher, Saaltexte mitzunehmen statt wieder zurückzulegen. Im Kunstmuseum dürfen nicht mehr als 150 Personen auf alle Ausstellungen verteilt anwesend sein. Alle Mitarbeitenden, die zur Risikogruppe gehören, bleiben weiterhin zu Hause. Das gilt etwa für die freiwilligen Seniorinnen und Senioren, die sich im Zentrum Paul Klee engagieren. Natürlich ist das Abstand halten-Können auch in unseren wiedereröffneten Museums-Cafés gewährleistet.

Wie haben Sie den Lockdown erlebt? Stehen Sie hinter den Massnahmen des Bundesrates?
Ich bin glücklich und dankbar, dass die Schweizer Regierung so vernünftige Entscheide getroffen hat. Meine US-Kolleginnen und Kollegen sind da in einer ganz anderen Lage. Ein mir bekannter Museumsleiter in Florida hat eigenhändig und entgegen der Empfehlung seines Gouverneurs entschieden, sein Museum noch nicht zu öffnen, weil er es angesichts der ansteigenden Infektionen für verantwortungslos hält.

Was hat Ihnen persönlich während des Lockdowns am meisten gefehlt?
Es fehlt mir immer noch: Das Reisen und der direkte Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland. Aber ich hatte eine gute Zeit und konnte von der Ruhe und Konzentration profitieren. Ich habe Bern und seine Umgebung mit dem Velo erkundet und nochmal ganz anders erfahren.

Wird es bald eine Ausstellung zum Thema Corona geben?
Das wäre eine zu einfache Schlussfolgerung. Aber sicher ist, dass uns die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen und was Solidarität bedeutet, langfristig beschäftigen werden. Bei unseren Ausstellungen im Herbst dreht sich vieles ums Reisen. «Mapping Klee» gibt anhand von Paul Klees Lebensstationen und Reisen Einblick in sein künstlerisches Schaffen. Auch die Schweizer Journalistin und Schriftstellerin, Annemarie Schwarzenbach, war eine Vielgereiste. Mit «Aufbruch ohne Ziel. Annemarie Schwarzenbach als Fotografin» zeigen wir Reisefotografien, die bisher wenig bekannt sind. Alle, die im Moment auf Fernreisen verzichten müssen, können unsere Ausstellungen besuchen und so zumindest im Kopf reisen.

Ist Kunst systemrelevant und wenn ja warum?
Man muss ehrlich sein und zwischen der eigentlichen medizinischen Krise und der Zeit danach unterscheiden: Wenn es wirklich ums Überleben geht, sind andere Berufszweige relevanter, da muss die Kultur bescheiden zurücktreten. Doch jetzt ist eine Phase angebrochen, in der wir die Künste wieder brauchen, um die gravierenden Veränderungen unseres Lebens einzuordnen, um uns selbst in der Welt gewahr zu werden. Sinnstiftende und berührende Kunsterlebnisse, die Reflexion darüber, wer wir sind und sein wollen als Gesellschaft, ist ein elementares Grundbedürfnis von uns allen.

www.kunstmuseumbern.ch
www.zpk.org

 

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