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Je näher man Lichtsteiners Bergmotive betrachtet, desto abstrakter werden sie. © Alois Lichtsteiner
Diverse Galerien, Bern

Grau ist eine vielfältige Farbe

13 Galerien, ein Wochenende und unerschöpfliche Farben- und Formenvielfalt, sogar in Grau – das bietet das Berner Galerienwochenende, respektive Alois Lichtsteiner in der Galerie Kornfeld.

Berge sind ein äusserst beliebtes Natursujet in der Malerei. Das wird 
am diesjährigen Galerienwochenende deutlich. Die Galerie Kunstreich zeigt in «Landschaften und Angeschwemmtes» Berg- und Schneelandschaften von Thomas Grogg, Alice Gafner stellt in der Art + Vision die «Weitsicht» auf die Natur ins Zentrum. Die retrospektivische Ausstellung zum 25-Jahr-Jubiläum des Künstlerduos Com&Com in der Galerie Bernhard Bischoff & Partner zeigt Acryl- und Airbrush­bilder, die in ihrer kitschig-schönen Farbgebung fast zur Kontemplation nötigen. Und die Galerie Kornfeld präsentiert ihre dritte Schau von Alois Lichtsteiner – mit Bergmotiven.

Karge Vielfalt

Lichtsteiner schafft Bergmotive mit Öl auf Leinwand und Papier, aber auch Holzdrucke, wobei der Schweizer Maler die Druckstöcke je Druck anders anmalt. Dabei geht es nicht um identifizierbare Gipfel, Hörner oder Grate, sondern um die abstrakte Farbigkeit und karge Vielfalt oberhalb der Baumgrenze. Hier wird eine Grasnarbe unter dem Schnee oder ein Felsspitz zum entscheidenden Farbmoment.

Je näher man die Bilder Lichtsteiners betrachtet, desto abstrakter werden sie: Manchmal ist die Idee eines Berges oder Gerölls von Nahem nur schwer erkennbar. Weiss gemalte Flächen erhalten Tiefe, werden Schnee, Nebel oder Wolke, die Farben wiederum werden zu Flecken. Ein Bild in Rot könnte auch eine poetische Nahaufnahme eines Ausschlags oder von Brandwunden darstellen. Ein anderes Bild erinnert an schimmernden Bernstein. Grossformatige Werke feiern grau, das eine eigene Farbigkeit entfaltet. Es kann also durchaus passieren, dass man vor einem Lichtsteiner steht mit glasigem Blick, wie man ihn krampfhaft herstellt beim Betrachten von 3D-Bildern. Und der Künstler hat einen da, wo er einen haben will. In einem Videointerview sagte er: «Die Reduzierung verlangt mehr Aufmerksamkeit. Das Bild als Körper stellt sich zur Verfügung mit seiner Oberfläche, der Betrachter macht das Bild selbst zum Bild mit seinem Körper.»

Berge als Opus magnum

Bernhard Bischoff, Partner und Auktionator in der Galerie Kornfeld, blickt auf eine lange und enge Zusammenarbeit mit Lichtsteiner zurück; er spricht gar von einem «Alois-Blick», mit dem er, nach der Beschäftigung mit dessen Werken, die Berge in ihrem Detailreichtum anders betrachte. Und er spricht von äusserst qualitätsvoller Malerei, von einem «Tüftler» in Sachen Druckgrafik, der mit seinen frei gestalteten Schnee- und Felsflecken wohl sein «Opus magnum» gefunden habe. Muster und Schattierungen würden ihn umtreiben, das Thema Berg nun schon seit über 20 Jahren.

Niederschwelliger Kunstzugang

Nachdem die Ausstellung in der Galerie Kornfeld wegen der Pandemie zweimal verschoben werden musste, ist endlich die Betrachtung vor Ort wieder möglich. Und somit auch das, wovon Galerien und – im Idealfall – Kunstschaffende leben. Dazu Bischoff, der auch für die Galerie Bernhard 
Bischoff & Partner verantwortlich zeichnet und als Präsident der Schweizer Auktionshäuser amtet: «Primärmarkt-Galerien, die die Basisarbeit leisten und Kunst direkt aus dem Atelier ausstellen und verkaufen, haben es sehr schwer während der Pandemie.» Galerien lebten vom direkten Austausch vor den Werken, die teils auch für ein kleines Budget erschwinglich seien. «Galerien verkaufen mit den Kunstwerken Emotionen und Geschichten, während im Sekundärmarkt, dem klassischen Kunsthandel, die materielle Wertbeständigkeit eine grosse Rolle spielt; Kunstwerke werden da durchaus auch als Wertanlage angesehen», sagt Bischoff. Die Auktionen von Kornfeld liefen 2021 so gut wie noch nie in seiner über 150-jährigen Geschichte, fügt er an.

Das Galerienwochenende in Bern bietet die Möglichkeit, niederschwellig reinzuschauen und Kunst – und in gewissem Sinne auch die Natur – geniessen zu können. Auch andere elementare Themen wie etwa Tod, Trauriges und Düsteres sind zu sehen. «Schwarz wäre Ende» heisst die Ausstellung, in der ArchivArte «Morbide Werke aus dem Archiv» zeigt, die Vanitas-Bilder, Dantes Inferno genauso wie Erinnerungen an Krieg und Verlust vielfältig aufgreifen. Die Galerie Muster Meier wiederum widmet sich dem Klimawandel in «Apokalypse Now: Kunst und Klima». Ein Thema, das Graumalerei im abstrakteren und bitteren Sinne aufgreift.

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