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Weitblick einer Vielgereisten: Porträt der Autorin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach.© Esther Gambaro, Nachlass Marie-Luise Bodmer-Preiswerk
Zentrum Paul Klee, Bern

Der Mensch im Zentrum

Reisen als Dauerzustand: In der Ausstellung «Aufbruch ohne Ziel. Annemarie Schwarzenbach als Fotografin» im Zentrum Paul Klee sind Fotografien der modernen Kosmopolitin zu sehen. «Reisen ist ein Aufbrechen ohne Ziel, nur mit flüchtigem Blick umfängt man ein Dorf und ein Tal, und was man am meisten liebt, liebt man schon mit dem Schmerz des Abschieds.» Dieses Zitat von Annemarie Schwarzenbach widerspiegelt die Melancholie und das Gefühl der Heimatlosigkeit, die den Fotografien der Schriftstellerin und Autorin zugrunde liegen. Den Bildern von ihren unzähligen Reisen nach Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea, Schweden, in die Sowjetunion oder die USA, entstanden grösstenteils zwischen 1933 und 1942.

Während die turbulente Biografie der unglaublich modernen Kosmopolitin, die sich mit sich wandelnden Geschlechterrollen befasste und ihre Homosexualität offen lebte, und ihre Texte grosse Bekanntheit erlangten, ist ihre Arbeit als Reportagefotografin weniger erforscht. In der Ausstellung «Aufbruch ohne Ziel. Annemarie Schwarzenbach als Fotografin» im Zentrum Paul Klee sind nun Bilder aus dem umfangreichen Nachlass zu sehen.

«Abbild unserer Existenz»

Die aus einer wohlhabenden Zürcher Industriellenfamilie stammende Schwarzenbach brach früh aus dem engen Korsett ihrer Herkunft aus, experimentierte mit Drogen und verkehrte in Künstlerkreisen. Doch ihre grösste Leidenschaft gehörte dem Reisen, das durchaus auch etwas Fluchtartiges hatte und wohl auch Abbild ihrer Rastlosigkeit war. «Die Reise scheint mir weniger ein Abenteuer oder Ausflug in ungewöhnliche Bereiche zu sein als vielmehr ein konzentriertes Abbild unserer Existenz», schrieb sie 1939 in «Die Steppe».

In den USA interessierte sie sich für die Auswirkungen der Industrialisierung und Wirtschaftskrise auf die Menschen («Ich lernte in Amerika mit Entsetzen, was wir Europäer aus einer schönen Erde machen können, wenn uns erst die unbegrenzten Möglichkeiten beschieden sind»). In den Südstaaten bildete sie vor allem auch die afroamerikanische Bevölkerung ab: «Die Vision eines besseren Lebens, der langgehegte amerikanische Traum, wird schattenhaft, je weiter die Strassen nach Süden führen.»

Von Eritrea ins Engadin

Ein majestätisches Schiff im Hafen von Massawa in Eritrea, die Überquerung eines Flusses im Irak per Auto: Einige Bilder wirken wie Filmstills, sofort möchte man mehr über die Geschichte hinter dem Bild erfahren. Egal, ob Textilarbeiterinnen in Tennessee abgebildet sind, Passagiere der Dritten Klasse auf der Überfahrt in die USA oder Krankenschwestern auf Schloss Gripsholm, oder eine junge Frau, die in Sils im Engadin keck in die Sonne blinzelt: Immer stehen in Schwarzenbachs kunstvollen Fotografien die Menschen mit all ihren Sorgen und geheimen Wünschen im Zentrum.

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