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Der Künstler Rihs liess sich für seine Spiegelungen auch von Poesie inspirieren.© Adrien Rihs
Kunstraum Gepard14, Liebefeld

Das Sakrale in der Natur

Adrien Rihs präsentiert im Kunstraum Gepard 14, was er dort während zwei Monaten entwickelt hat. Dafür trat er geistig mit dem Dichter Charles Baudelaire in Kontakt.

«Unsere Korrespondenz harzt ein wenig», stellt Adrien Rihs fest, als ein Mail von ihm im Spam landet. Das birgt eine gewisse Ironie. Denn mit «Correspondances», dem Gedicht des symbolistischen Poeten Charles Baudelaire (1821–1867), hat er sich gerade intensiv auseinandergesetzt. Zumindest mit den zwei ersten Zeilen, wie er erklärt (La ­nature est un temple où de vivants piliers / laissent parfois sortir de con­fuses paroles). Auf Deutsch kenne er nur schreckliche Übersetzungen, findet Rihs, der 1957 in Moutier geboren wurde und in Bern lebt, wo er den Parcours «Artstadt» kuratiert. Im Kunstraum Gepard14 hat er nun während zweier Monate Gastrecht genossen. Der Leiter Marco Giacomoni verfolgt seit 2008 ein spezielles Konzept, bei dem er den Kunstschaffenden jeweils einen Atelierplatz offeriert und dann das vor Ort Geschaffene zeigen lässt. Rihs wurde nicht nur von Baudelaires Poesie, sondern auch von der Architektur des Raumes und der Praxis für Psychotherapie inspiriert. «Ich habe nach Echos gesucht», so der Künstler. Die Praxis sei ihm als geheimnisvoller Ort erschienen, an dem Leute über ihr Innerstes berichten, ohne dass er diesen je begegnet sei.

Minijupe und Sonntagsfahrt

Wörter und damit verbundene Sehnsüchte spielen in der Ausstellung «Correspondances» eine grosse Rolle. So konfrontiert Rihs Besucher*innen mit seinem «Wörterbuch der Erinnerung», wofür er die unterschiedlichsten Menschen auf alle möglichen Sprachen nach Wörtern gefragt hat, die bei ihnen mit Erinnerungen verbunden sind. «Brosse à dent» oder «Minijupe», «luce» oder «Sonntagsfahrt» treffen aufeinander in diesem Wortgedicht, das im Gepard14 die Fenster einnimmt. Baudelaires Worte wiederum inspirierten Rihs unter anderem zu einem Triptychon, das mit verschiedenen Spiegelungen operiert. Anhand von Objekten und bearbeiteten Fotografien, die sich gegenseitig ergänzen, folgt Rihs Baudelaires Idee, in der Natur das Sakrale zu finden und umgekehrt.

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