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Archiv
Headbangen zu Motörhead: Gurtenbesucher 2001 vor Christian Helmles Linse.© Christian Helmle
Kunstmuseum Thun

Archivar der Gegenwarten

Im Kunstmuseum Thun gibt der Fotograf Christian Helmle Einblick in sein umfangreiches Werk. «Stralau» nennt sich die Ausstellung. Auch seine neueste Fotografie-Serie «Stadtmensch» ist darin zu sehen.

Der unmittelbare Alltag spielt eine wichtige Rolle in den Bildern von Christian Helmle. Zu spüren ist dies etwa in «Taxi», einer Bilderserie, die er in den Achtzigerjahren aufgenommen hat. Nachdem Helmle seinen Abschluss der Fotografieklasse an der Ecole d'arts appliqués in Vevey in der Tasche hatte, nahm er einen Nebenjob als Taxifahrer an. «Das liess sich ziemlich gut kombinieren mit meinen ersten Aufträgen», erzählt er. Während seinen Fahrten installierte er eine Kamera auf dem Arma­turenbrett und fotografierte den Innenraum des Autos. Zehn solche «Taxi»-Bilder sind im Kunstmuseum Thun in der Ausstellung «Stralau» zu sehen. 

Ambivalenz zu Thun

Sie zeigen Fahrer Helmle und seine Stammgäste. Durch die Heckscheibe erblicken die Besucher*innen einen kleinen Ausschnitt Thuns – der Stadt, in der Helmle geboren ist, die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat und auch heute lebt. «Zu Thun empfand ich lange Zeit eine Art Hassliebe», sagt er, «heute sehe ich dies etwas gelassener. Ich fühle mich wohl in dieser Umgebung, schätze die Natur immer mehr.»

Ab den 1980er-Jahren hat Helmle, der sich künstlerischen wie auch Auftragsarbeiten widmet, die Thuner Kunstszene dokumentiert. So begleitete er die lokale Musik- und Kunstszene mit seiner Kamera und verfügt mittlerweile über ein immenses Bildarchiv. «Die Menschen interessieren sich sehr dafür, gerade wenn sie zu einer bestimmten Zeit selbst unterwegs waren», erzählt er. «Frisuren, Kleidung, was in diesem Moment als gegeben erscheint, wird 20 Jahre später extrem spannend.»

Für die Ausstellung «Stralau» hat er einen Teil seiner Archiv-Bilder thematisch katalogisiert und sie auf einem iPad zugänglich gemacht.

Berge und Braunkohle

Durch Helmles reichhaltiges Œuvre zieht sich sein Interesse an den Wechselwirkungen von Mensch, Struktur, Natur, Architektur und Topografie. Er nähert sich den sogenannten naturbelassenen Gegenden genauso wie den von Menschenhand kultivierten Gebieten. In der Schau präsentiert er eine Vielzahl grossformatiger Aufnahmen von Bergregionen in Schwarz-Weiss, beinahe idyllisch anmutende Ein­drücke eines Braunkohletagebaus in Brandenburg oder Bilder imposanter Gebäude, die im Berlin der Dreissigerjahre erbaut wurden.

Sufi-Tänzer und Gurten-Fans

Für seine neueste Serie «Stadtmensch», die als Wandinstallation konzipiert ist, lotete er die Grenze zwischen Reportage- und Architektur­fotografie aus. Hier beweist er sein Gespür fürs genaue Beobachten. Aufnahmen aus verschiedenen euro­päischen Städten halten fest, wie sich Menschen durch den urbanen Raum bewegen.

Immer wieder zog es den Fotografen nach Ägypten. Ein halbes Jahr durfte er als «Artist in Residence» in Kairo verbringen. In dieser Zeit entstand eine Bildserie über den Alltagsislam. Helmle dokumentierte unter anderem religiöse Sufi-Tänzer. Im Kunstmuseum Thun lässt er diese auf Fotografien ekstatisch feiernder Besucher*innen des Gurtenfestivals treffen – ein befremdend-gewitztes Nebeneinander.

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